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Als ich Ausländer war

Vor einigen Jahren habe ich in Südostasien gearbeitet. Mein “Auslandseinsatz” fand in einem Land statt, welches überwiegend von Muslimen bevölkert ist. Obwohl das tropisch heisse Klima, außer in öffentlichen Gebäuden, allgegenwärtig war, trug die Mehrheit der Frauen ein Kopftuch, Hidschāb, Tschador, Nikab oder sogar Burka.

Das soziale Miteinander war unter den jungen Menschen, die ich meiner Altersgruppe zuzähle, relativ kühl. Als Aussenstehender habe ich nicht immer erkennen können, ob das Mädchen und der Junge vor mir ein Liebespaar darstellten, oder nur gute Freunde sind. Händchenhalten gehört dort nämlich nicht zu den “normalen” Dingen des Alltags. Auch Küssen ist eine Aktivität, die in diesem Land nicht zum öffentlichen Bild gehört. Nicht mein Weltbild, ‘aber sollen die nur machen’, dachte ich mir.

Es dauerte nicht lange bis ich herausfand, dass es eine ganze Reihe gesellschaftlicher Regeln gibt, an die man sich besser halten sollte. Dabei sind die Regeln nicht immer nur auf ortsübliche Selbstverständlichkeiten beschränkt, sondern finden sich in Form von Gesetzen wieder.
Dazu zählen unter anderem jedwede Art intimer Berührungen in der Öffentlichkeit.

kuessenverboten


Wenn ein Mann über mehrere Monate im Ausland aus einem Koffer lebt, werden zwei Dinge offensichtlich:

  • die Anzahl an sauberer Wäschestücke ist sehr begrenzt
  • die Freundin hat es nicht gerne, wenn du lange weg bist

Die Geschichte mit der Wäsche

Wer öfter in Hotels lebt, kennt den Wäscheservice. Du gibst deine dreckige Wäsche einfach in eine Tüte und legst diese dann gut sichtbar in deinem Zimmer ab. Der Zimmerservice nimmt die Tüte mit und bringt dir einen Tag später, oder evtl. noch am selben Abend, die frisch gebügelten Hemden wieder.

Wenn du verpennst, hast du aber ein Problem. Der Zimmerservice sieht das du noch schläfst und haut sofort wieder ab. Und zwar ohne die Tüte. Genau das passierte mir. Der Zimmerservice klingelte im 11ten Stock an meiner Tür während ich noch schlief. Das Mädchen mit Kopftuch (nicht älter als 20) öffnete die Tür und betrat das Zimmer. In diesem Moment wurde ich erst richtig wach. Sie war sichtlich erschrocken, dass noch jemand anwesend war und lief rückwärts mit den Worten: “Sorry Mister, I am very sorry Sir” aus dem Zimmer hinaus. Ich befand mich noch im Schlafkoma, als ich begriff, dass sie die letzte Chance auf saubere Wäsche war. Lediglich mit Unterhose bekleidet sprang ich aus dem Bett auf sie zu und überredete sie, wieder mit ins Zimmer zu kommen um dort nur 3 Sekunden zu warten, bis ich meine Wäsche zusammengesucht hatte. Die ganze Nummer war ihr sichtbar unangenehm. Ich konnte jedoch nicht recht verstehen, warum. Ein Arbeitskollege klärte mich am selben Tag dann noch auf: “One does not simply drag a muslim girl into a room being a total stranger to her!” (“Man nimmt nicht einfach ein muslimisches Mädchen in das Zimmer, wenn man ein vollkommen Fremder für sie ist!”)

Stimmt, denn als Muslimin ist es eigentlich verboten, allein mit einem fremden Mann in einem Raum zu sein. Erst recht, wenn dieser halb nackt vor ihr steht, nachdem er sie ins Zimmer ‘hineindiskutiert’ hat. Nachdem mir das alles klar geworden war, habe ich am darauf folgenden Tag noch gefühlte 5000 mal versucht, mich bei ihr zu entschuldigen. Sie hatte immernoch etwas Angst vor mir, gab mir aber zu verstehen, dass ich mich als Gast für so etwas nicht entschuldigen müsse.

Die Geschichte mit der Freundin 

Meine Freundin hatte es satt, dass ich am anderen Ende der Welt arbeitete und entschloss sich, mir für drei ganze Wochen Gesellschaft zu leisten. Vielleicht hat sie mich aber auch nur wegen dem tropischen Klima besucht, denn das hat sie geliebt. Wärme. Als ich zur Arbeit verschwand, lief sie im Bikini zum Hotelpool, um sich dort zu sonnen. Erst später, als Sie mir von unangenehmen und verstörenden Blicken berichtete, ist mir klar geworden, dass ich ihr das hätte verbieten sollen. Bikinis werden in diesem Land zwar verkauft, aber fast nur an Touristen. Selbst schwimmen geht man dort mit Burka. Immer öfter erhielten wir böse Blicke, wenn wir durch die Shopping-Malls liefen. Im Flughafen wurden wir von einem sehr verärgerten älteren Herrn angesprochen, dass wir uns doch bitte woanders küssen sollten. Eigentlich hätte ich das wissen müssen, da uns der Taxifahrer schon darauf hingewiesen hatte.

Die Erkenntnis

Sein eigenes Weltbild inklusive Lebensart und Wertvorstellungen lässt man nicht einfach zuhause. Man nimmt sie überall mit hin. Ich muss zugeben, dass ich mir nicht sonderlich viel Mühe gegeben habe meine Lebensart während meiner Aufenthaltszeit dort zu unterdrücken (zum Leidwesen der Einheimischen). Mir war meine Lebensart zu wichtig, um sie einfach, wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum, aufzugeben. Ich tue ja keinem damit weh. Dachte ich mir.

Rückblickend bin ich froh, dass ich die Leute dort nicht mehr mit meiner “Unart” belästige. Obwohl ich gerne in diesem Land bin und dort auch immernoch (muslimische) Freunde habe, gibt mir niemand das Recht mich dort entgegen aller guter Sitten zu benehmen.

Der Artikel erschien ursprünglich auf http://idealism.us/als-ich-auslaender-war/

Über Der Idealist

Der Idealist ist ein vielreisender Informatiker mit Altenburger Wurzeln. Er war bis jetzt in den USA, Niederlande, Südostasien, Rumänien, Spanien und natürlich seiner Heimat Deutschland für verschiedene Industrien tätig. Seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen schreibt er auf idealism.us nieder.

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