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Offener Brief eines Europäers an Bundeskanzlerin Merkel

Unserer Redaktion wurde ein Brief eines überzeugten Europäers mit der Bitte um Veröffentlichung zugeschickt. Diesem Wunsch kommen wir gern nach.

Bundeskanzleramt
An Frau Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel
Willy-Brandt-Str. 1
10557 Berlin

München, den 25. Januar 2016

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, Dr. Merkel,

am 10. Januar 2016 hatte ich Ihnen als überzeugten Europäer bereits einen Brief geschrieben, der allerdings leider bis zum heutigen Tage offensichtlich ignoriert und unbeantwortet geblieben ist. Aus diesem Grund wende ich mich erneut an Sie, um meiner Meinung erneut Nachdruck zu verleihen. Die fett hervorgehobenen Passagen habe ich neu in meinem ursprünglichen Schreiben vom 10. Januar hinzugefügt.

Aufgrund der Entwicklungen in den letzten Monaten sowohl in Europa, insbesondere in Frankreich als auch in Deutschland, erlaube ich mir, sowohl als Bundesbürger als auch als Bürger Frankreichs, Ihnen dieses Schreiben zukommen zu lassen.

Als Sohn einer deutschen Mutter und eines französischen Vaters bin ich zweisprachig aufgewachsen. Neben dem Erwerb eines deutsch-französischen Abiturs und eines doppelten deutsch-französischen Studienabschluss der Rechtswissenschaften, sowohl in Paris als auch in Potsdam, meiner bi-nationalen und bi-kulturellen Ausrichtung, gilt meine besondere Aufmerksamkeit von jeher ein internationales weltoffenes Umfeld, sowohl in juristischer und wirtschaftlicher, als auch in gesellschaftlich-kultureller Hinsicht. Seit 15 Jahren bin ich mit meiner aus der Slowakei stammenden Frau verheiratet. Unsere zwei Söhne wachsen dreisprachig auf. Wir investieren seit Jahren in die Bildung unserer Kinder: unsere beiden Söhne gehen in die deutsch-französische Schule hier in München, und wachsen konsequent dreisprachig auf. Unsere Freunde sowie die Freude unserer Söhne sind in der grossen Mehrheit Doppelstaatler oder stammen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands, d.h. sowohl aus den neuen als auch alten Bundesländern, oder aus verschiedenen Ländern oder Kulturkreisen sowohl in- als auch ausserhalb Europas.

Wir sind in der Familie weder politisch noch religiös aktiv, gehören weder der Bewegung „Pegida“ an, noch unterstützen wir die AfD oder rechtsradikale Gruppen aus „Dunkeldeutschland“. Wir haben als Wähler auf Bundesebene oder Landesebene bisher eher der CSU unser Vertrauen geschenkt und waren bis zum Sommer 2015 mit Ihrer Kanzlerschaft eigentlich ziemlich zufrieden. Als Franzose unterstütze ich eher die Partei von Nicolas Sarkozy, die CDU und CSU nahestehende Partei„Les Républicains, ehemals UMP“ und würde nie die rechtextreme Partei von Marine Le Pen, die „Front National“ wählen.

Seit dem 13. November 2015 mit den fürchterlichen terroristischen Anschlägen in Paris und den Ereignissen in Köln und sonst wo noch in Deutschland über Silvester, bin ich über die Entwicklung und Zukunft in Deutschland und Europa allerdings zutiefst besorgt. Ich habe den Eindruck, dass eine Zeitenwende stattgefunden hat, wir seinerzeit am 11. September 2001.

Die durch Ihre Politik zugelassene massenhafte Zuwanderung von Millionen von Flüchtigen mit unbekannter und zweifelhafter Herkunft gefährdet nicht nur den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland, sondern den langjährigen europäischen Einigungsprozess sowie die öffentliche Sicherheit. In Frankreich habe ich 24 Jahre lang gelebt und ich musste leider feststellen, dass vieles sich nicht in die richtige Richtung entwickelt hat. Eine gelungene Integration für alle ist eine Illusion. Natürlich haben in Frankreich zahlreiche Menschen nie an der gesellschaftlichen Entwicklung teilnehmen können, dasselbe Schicksal droht vielen Asylanten, die nach Deutschland geflüchtet sind.

Ich wünsche mir, dass meine Kinder in einem sicheren Deutschland und Europa aufwachsen. Deutschland kann nicht unbegrenzt weitere Millionen von Menschen aus einem fremden muslemischen Kulturkreis aufnehmen und die ganze Welt retten. Ich denke leider nicht, dass wir das schaffen können. Andere Länder wie Schweden oder Dänemark haben auf die Bremse getreten und aus gesundem Menschenverstand den Zuwanderungsstopp kontrolliert bzw. nun sogar gestoppt. So eine Politik wird auch in der Schweiz völlig zu recht betrieben. Ich erwarte dies allerdings auch von Deutschland. Es geht hier nicht um Fremdenhass oder Aversion gegenüber den Islam. Es geht um unser Land, um die Zukunft künftiger Generationen, um die Zukunft meiner Kinder, um unsere Sicherheit und die Sicherheit unserer Kinder. Wir wollen in Deutschland keine Zustände wie in Nordafrika oder in arabischen Ländern. Ich stelle in der letzten Zeit leider fest, dass der Unmut sehr breite Schichten der gebildeten Bevölkerung erfasst. In unserem Freundes-, Bekannten und Familienkreis in ganz Europa, insbesondere in Frankreich, Deutschland aber auch in der Slowakei, gibt es ausschliesslich hochgebildete, tolerante und weltoffene Akademiker wie wir, aber keiner von ihnen unterstützt den Kurs, den Sie unbeirrt verfolgen oder aus welchen persönlichen Gründen unbedingt verfolgen wollen. Dieser Kurs kann auch nicht wirklich der deutsch-französischen Freundschaft dienen. In Frankreich herrscht nach den Terroranschlägen nach wie vor Ausnahmezustand, man hat den Eindruck, dass sich der Staat um die Sicherheit seiner Landsleute kümmert. Ich habe nicht den Eindruck, dass dies in Deutschland der Fall ist. Asylanten die aus sicheren Herkunftsländern stammen, können nicht weiter nach Deutschland einreisen.

Eine wesentliche Errungenschaft des modernen Europas ist meiner Meinung nach die strikte Trennung von Staat und Religion am Beispiel Frankreichs. Dem aufgeklärten atheistischen Teil der Gesellschaft ist es schlichtweg nicht zuzumuten bei den schon entstandenen und noch anstehenden Problemen mit Personen aus bestimmten Religions- und Kulturkreisen immer nur auf unzureichende eigene religiöse Bekenntnisse und vermeintlich fehlenden eigenen Integrationswillen verwiesen zu werden. Auch der eifrige und gebetsmühlenartige Aufruf an die deutsche Bevölkerung aus den erschreckenden, zum Teil bisher verschwiegenen, Informationen nicht die falschen Schlüsse zu ziehen, ist absolut unangebracht und anmaßend. Hier ist vielmehr die konsequente Antwort des modernen,  Rechtsstaats mit wehrhafter Demokratie und säkulärem Wertekanon gefragt. Als exzellenter Wissenschaftlerin sollte es Ihnen leicht fallen, analytisch und richtig (bitte nicht alternativlos) zu handeln.

Die These “Wir schaffen das!” ist durch die voranschreitende Spaltung der Gesellschaft bereits widerlegt. Dies wirft Ihnen niemand vor. Sie haben sicher nur mit besten Absichten gehandelt und die Eigendynamik sowie die kriminellen Auswüchse der Migrationsbewegung in Deutschland nicht berechnen können.  Einmalabgesehen davon, dass ich die „Willkommenskultur“ seit Anbeginn unheimlich naiv und Ihre Strategie anfangs noch auf gutem Wissen und gutem Glauben gebaut empfand, aber als Hochrisikostrategie für das Land, denke ich mittlerweile, dass es leider eine Strategie ohne Wissen war und zusätzlich zu einer Hochrisikostrategie für ganz Europa geworden ist. Der liberale, weltoffene deutsche Staat wird von vielen Zuwanderern aus autoritären Familien- und Gesellschaftsstrukturen als Schwäche gedeutet, die tendenziell ausgenutzt wird.

Ausserdem sind die Zuwanderer nicht automatisch alle weiße Schäflein, so dass die Schwellen zur Illegalität und Nicht-Integrierbarkeit dadurch sehr niedrig sind. Sie haben dadurch in Europa einen beispiellosen und nie dagewesenen deutschen Sonderweg beschritten, aus dem momentan kein Entrinnen sichtbar ist, mit allen negativen Konsequenzen, die man sich nicht ausmalen möchte. Wenn Ihr alternativloser Kurs jedoch wider besseren Wissens und der Erfahrungen der letzten Monate weiter fortgeführt wird,  wird es zwischen den europäischen Partnern zu schwerer Zerwürfnissen und innerhalb Deutschlands zu einer schweren Demokratiekrise mit enormen Vertrauensverlust kommen. Ich bin der Überzeugung dass Sie diesen Kurs noch korrigieren können, Deutschland, Frankreich und ganz Europa zu liebe.

Frau Dr. Merkel, bringen Sie bitte Willen, Kraft und Mittel zu einem radikalen Wandel in der Asylpolitik, sorgen Sie dafür, dass die EU-Aussengrenzen dringend geschlossen werden und sorgen Sie sich in erster Linie um die Sicherheit der Bundesbürger angesichts der bedrohenden IS-Terrorgefahr! Stoppen Sie ausserdem unverzüglich den uneingeschränkten Zustrom von Asylanten in unser Land! Ich appelliere an ihren gesunden Menschenverstand: Handeln Sie nicht weiter alternativlos und ignorieren Sie nicht weiterhin die Stimmung und die Meinung des Volkes und verhindern sie bitte das Schlimmste, denn „Wir schaffen das nicht!“. Meine Frau und ich haben bereits viel Geld in die Bildung unserer Kinder gesteckt und wollen dies auch zukünftig tun. Bitte zwingen Sie nicht eine vorbildliche europäische Familie auszuwandern, weil Sie diese mit neuen Steuern und Abgaben zur Finanzierung der Flüchtlinge und Asylanten belasten müssen! Sollten Sie unsere Meinung nach wie vor ignorieren, werden wir uns gezwungen sehen, Deutschland und vielleicht sogar Europa mittelfristig zu verlassen. Wir machen uns sehr grosse Sorgen um die Zukunft unserer Kinder in diesem Land.

Je vous remercie, Madame la Chancelière Merkel pour votre compréhension.

Mit freundlichen Grüssen

M. MXXXXlle

Über Michael Külbel

Michael Külbel ist freischaffender Künstler und Grafikdesigner aus Altenburg. Seit 2015 arbeitet er mit im Team von altenburg-online.de im Bereich Redaktion, Administration, Gestaltung und Berichterstattung.

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