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Kommentar zur Compact-Live Veranstaltung des Altenburger Bürgerforums

Michael Külbel
Michael Külbel

Ohne Zweifel muss man zugeben, dass dem Bürgerforum Altenburger Land mit der Ausrichtung der Compact-Live Veranstaltung vom 03.02.2016 in Altenburg/Kosma eine herausragende Veranstaltung gelungen ist. Bei aller Euphorie über das bereits Erreichte ist es allerdings manchmal ganz sinnvoll, kurz inne zu halten und über den weiteren Weg dieser Bürgerbewegung nachzudenken.

Das Ohnmachtsgefühl unter den Menschen ist groß, die Wissbegierde scheinbar grenzenlos und so lechzt das Volk nach Vergeltungsmaßnahmen gegen eine Politik, die ihren Interessen zuwider läuft. Mit Recht.

Dennoch. Wer das Heranwachsen des bestehenden Unrechtssystem die vergangenen Jahrzehnte aufmerksam verfolgt hat, der wird auch jetzt wieder die Befürchtung vorausahnen, dass auch die Verfassungsbeschwerde von Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider zu keinem großartigen Durchbruch in der Bundespolitik führen wird, wenn sie überhaupt erst von Karlsruhe zugelassen wird. Die Leistungen und das Engagement des Verfassungsrechtlers sind ohne Wenn und Aber zu würdigen, das steht außer Frage. Doch was passiert, wenn auch diese Verfassungsbeschwerde nicht zu dem erwünschten Erfolg führt? Was, wenn das Kartell aus Medien, Politik und Gerichtsbarkeit den eingeschlagenen Kurs trotz dieser Form des legalen Widerstands einfach fortsetzt? Haben die Regierenden nicht erst mit der Ignoranz gegenüber dem Widerstand bzgl. des geplanten Freihandelsabkommens mehr als eindeutig bewiesen, dass des Volkes Meinung in Berlin niemanden interessiert? Es ist leider zu erwarten, dass die Hoffnungen der Menschen wieder einmal enttäuscht werden, was dann erwartungsgemäß zu einer zunehmenden Radikalisierung unter den frustrierten Menschen führen muss.

Auch der 3-Punkte-Plan, den Jürgen Elsässer auf der Compact-Live Konferenz vorgestellt hat, ist eine sinnvolle Form des Widerstands: Wahlbeobachtung, Vernetzung der Bürgerbewegungen, große Demonstration in Berlin aller Bürgerbewegungen: Sturz des Merkel-Regimes, wenn man es einmal kurz zusammenfasst. Doch was kommt danach?

Prof. Schachtschneider & Jürgen Elsässer
Prof. Schachtschneider & Jürgen Elsässer

Die Revolution frisst ihre Kinder, so sagt man. Und auch bei einem Sturz des Merkel-Regimes besteht die nicht wenig wahrscheinliche Befürchtung, dass sich lediglich neue Machthaber an die Spitzen der hierarchischen Ordnung manövrieren, die genauso empfänglich und erpressbar von den Einflüsterern der Macht sind wie jeder andere Mensch auch.

Eine wirkliche fundamentale Veränderung der Gesellschaft können wir nur erreichen, wenn die Menschen anfangen, selbst Verantwortung für die Gestaltung ihres soziokulturellen Umfeldes zu übernehmen. Zu oft wurden wir von Führungspersonen, denen wir unser Vertrauen und unsere Hoffnungen geschenkt haben, letztlich enttäuscht. Die Syriza-Bewegung in Griechenland ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie wenig sich gut gemeinte politische Ansätze gegen die Macht des Geldes durchzusetzen vermögen. Mit der Abgabe der eigenen Verantwortung in die Hände von Leitfiguren besteht immer die Gefahr des Missbrauches. Darüber hinaus hindert die Abgabe der Verantwortung die Menschen daran, selbst gesellschaftliche Verantwortung für das eigene Umfeld zu übernehmen, da sie ihre Hoffnungen ja in jemanden stecken, der es schon richten wird.

Der Mensch ist durchaus in der Lage, die Geschicke der eigenen Lebenswirklichkeit eigenmächtig, ohne Politik und Fremdorganisation, zu gestalten. Damit sollten wir jetzt anfangen. Um sich gegen die Macht und Einflussnahme der Banken und Konzerne auf unsere Politik durchzusetzen, sollten wir die Mittel nutzen, die schon unsere Vorväter angesichts der Krisen in unserer Geschichte für sich entdeckt hatten: regionale Vernetzung, Aufbau von genossenschaftlichen Strukturen, Vereine, bürgerschaftliches Engagement in einer Vielzahl von gemeinnützigen Projekten. Auf diese Weise ließe sich eine Gesellschaft erschaffen, die dem Bürger die Entscheidungsgewalt über das eigene soziale Umfeld wieder in die eigenen Hände legt, ohne auf die Gunst der Herrschenden und ihrer Verwaltungsgehilfen zu hoffen.

Über Michael Külbel

Michael Külbel ist freischaffender Künstler und Grafikdesigner aus Altenburg. Seit 2015 arbeitet er mit im Team von altenburg-online.de im Bereich Redaktion, Administration, Gestaltung und Berichterstattung.

siehe auch

Das Finanzsystem in der Krise – was stimmt mit unserem Geldsystem nicht?

Mit diesem Thema beschäftigt sich die Geldsystemkonferenz des Bürgerforum Altenburger Land am 20.05.2017 um 18:30 …

Ein Kommentar

  1. Michael Schuhknecht

    Sehr realistische Gedankengänge …
    Die aktuell herrschende Politikerkaste wird auch weiterhin den Bürgerwillen gegen alle Widerstände ignorieren,
    so wie das schon zu DDR-Zeiten der Fall war – bis das System kollabiert.
    Die Frage ist nur – wollen wir solange warten ?
    Und wie Michael schon dargelegt hat – was kommt danach – wer soll uns regieren ?
    Eine Partei, welche nach schweizer Vorbild eine “direkte Demokratie” in Deutschland aufbaut ?
    Viele Politiker etablierter Parteien werden sich dagegen wehren.
    Bleibt zu hoffen, das wir einen friedlichen Machtwechsel herbeiführen können.
    Die kommende Bundestagswahl im Jahre 2017 wird es zeigen, ob die Bürger nur unzufrieden schimpfen ODER aktiv sich an der Wahl beteiligen und das momentane System quasi abwählen….
    Die Zunkunft liegt in unseren Händen……

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