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Kommentar zum Kulturpolitischen Dialog “Rassismus in Altenburg” vom 14.03.2017

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Zur Veranstaltungen heute anwesend waren neben zahlreichen Medienvertretern Politiker, Kulturschaffende und auch Vertreter des Bürgerforums. Der OB ist bemüht ein positives Bild von der Stadt Altenburg nach außen zu tragen. Als finalen Höhepunkt dieser Veranstaltung präsentierte er, bzw. der Verlag Kamprad, eine schicke Webseite: wirsindaltenburg.de, auf der Bürger kurze Videobotschaften senden können sollen, um ein positives Bild der Stadt nach außen zu tragen. Frau Landrätin Sojka empfindet dies als ein Pflaster, was man versucht über die “Probleme” dieser Stadt zu kleben. Ich glaub es kaum, dass ich das sage, aber die Frau hat hier sogar mal recht. Tja, was die eigentlichen Probleme sind, darüber gab es an dem Abend verschiedene Meinungen. Die einen meinen, wir hätten ein latentes Rassismusproblem, die anderen denken, die Politik ist das Problem, der nächste meint, dass durch ganz Deutschland ein Riss geht, der überall im Land spürbar ist. Mit ein bisschen Kosmetik und einer guten Imagekampagne, wie sich der OB das so vorstellt, wird da jedenfalls meiner Meinung nach nichts zu machen sein. Meine Meinung: rausgeschmissenes Geld. Einen Dialog konnte man das heute Abend auch nicht wirklich nennen, eher eine Aneinanderreihung von Monologen mit Grüppchenbildung und Beifallsklatschern aus den jeweiligen Lagern. Aber irgendwie war Politik ja schon immer so. Schaulaufen. Zufriedenstellend ist auf jeden Fall irgendwie anders. Zumindest ist es schon einmal ein Fortschritt, wenn man sich einander gesittet zuhört, als Demos gegen Demos zu organisieren, aber eine Lösung für die Spaltung im Altenburger Land sehe ich nicht. Dazu sind alle Parteien von ihren jeweiligen Ansichten zu überzeugt. Wie soll dies auch gehen, wenn dieser Riss doch durch ganz Deutschland, ja sogar durch ganz Europa geht? Ich denke, da kann man keine Lösung erwarten, erwarte ich auch nicht. Ratlosigkeit nehme ich aus der Veranstaltung mit. Und auch ein bisschen Fassungslosigkeit über die teilweise an den Tag gelegte Naivität einiger Protagonisten dieses Abends, dass wir die Probleme mit ein bisschen Reden und Kuschelpädagogik wieder wegbekommen. Die eigentlichen Probleme und Ursachen, die soziale Ungleichheit, der drohende Zusammenbruch des Euros, die ins Uferlose steigende Verschuldung aller Staaten auf diesem Planeten – dies alles, was für mich die Hauptursachen für die zunehmenden Verteilungsängste und -kämpfe (die Flüchtlingsströme sind auch nur ein Symptom hiervon) sind, scheint an der Mehrzahl der Anwesenden vollkommen vorbei zu gehen, als ob man in einer Filterblase lebt und nicht sehen will, was für eine soziale Bombe auf uns alle zurollt. Das bisschen Kosmetik wird schnell abbröckeln wie neue Farbe auf rissigen Fassaden. So lange Uneinigkeit innerhalb der Bevölkerung herrscht, die meiner Meinung nach auch gezielt erzeugt wird, wird sich an diesen Zuständen auch nichts ändern, weil man lieber die Energie darauf verschwendet, sich gegenseitig zu bekriegen, statt diesem korrupten System gemeinsam endlich die Stirn zu bieten. Und so wettern wir gegeneinander, die Schuldenuhr tickt und uns gegenseitig mit Hasstiraden und Schuldzuweisungen bespuckend, schlafwandeln wir gemeinsam in den Untergang, kleben uns aber noch schöne Bildchen auf die Stirn, auf den in großen Lettern steht: Wir sind weltoffen. Was für ein Schauspiel, nein eine Tragödie. Einzig Stengele war von seiner eigenen Arbeit begeistert, da es sein und der Verdienst des Theaters wäre, dass wir doch jetzt diesen tollen Diskurs in der Stadt führen. Ja Bravo, Applaus, Abgang und Vorhang zu.

Über Michael Külbel

Michael Külbel ist freischaffender Künstler und Grafikdesigner aus Altenburg. Seit 2015 arbeitet er mit im Team von altenburg-online.de im Bereich Redaktion, Administration, Gestaltung und Berichterstattung.

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